Warum gelangen radioaktive Stoffe in den konventionellen Krankenhausabfall

Selbst bei strengen Verfahren in der Nuklearmedizin können radioaktive Stoffe gelegentlich in den konventionellen Krankenhausabfall gelangen.

Radioaktivität im Krankenhausmüll

Der Umgang mit radioaktiven Stoffen in Krankenhäusern unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Moderne nuklearmedizinische Abteilungen verfügen deshalb über etablierte Verfahren zur Erfassung, Lagerung und Freigabe radioaktiver Abfälle.

Dennoch kommt es gelegentlich vor, dass radioaktive Stoffe in den normalen Abfallkreislauf gelangen. Häufig handelt es sich dabei nicht um Fehler innerhalb der Nuklearmedizin selbst, sondern um Materialien, die nach Verlegung von Patienten oder durch Inkontinenzprodukte außerhalb der kontrollierten Bereiche entsorgt werden. Die Folge können Strahlenalarme an Müllverbrennungsanlagen sein.

Bewährte Prozesse in der Nuklearmedizin

Radioaktive Abfälle werden in der Nuklearmedizin gesammelt, dokumentiert und bis zur Freigabe zwischengelagert.

Für die messtechnische Überwachung kommen beispielsweise die Freigabemesssysteme FR-6 und FR-10 von NUVIATech Instruments zum Einsatz. Die Abfallgebinde werden erfasst, per Barcode identifiziert und in der geräteinternen Abfallverwaltungssoftware verwaltet. Dort können Lagerzeiten, Nuklide, Aktivitäten und automatische Wiedervorlagen dokumentiert werden.

Nach einer festgelegten Abklingzeit erfolgt eine erneute Messung. Liegt die Restaktivität unterhalb der geltenden Freigabewerte, kann das Material dem konventionellen Entsorgungs- oder Verwertungsweg zugeführt werden.

Nach dem gleichen Prinzip wie bei festen radioaktiven Abfällen werden auch radioaktive Abwässer gesammelt und kontrolliert. Das Abwasser aus Patiententoiletten, Duschen und anderen relevanten Bereichen wird in speziellen Tanks zwischengespeichert. Je nach enthaltenem Radionuklid verbleibt es dort für einen festgelegten Zeitraum, damit die Radioaktivität durch Zerfall abklingen kann. Nach einer Freigabemessung und dem Nachweis der Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte kann das Abwasser meist in das normale Abwassersystem eingeleitet werden.

Wie radioaktive Stoffe in den Restmüll gelangen

Eine der Ursachen liegt an den Schnittstellen zwischen der Nuklearmedizin und anderen Krankenhausbereichen.

So kann ein Patient nach einer nuklearmedizinischen Untersuchung oder Therapie beispielsweise wegen eines medizinischen Notfalls auf eine andere Station verlegt werden. Dabei kann es vorkommen, dass potenziell kontaminierte Materialien über den regulären Stationsabfall entsorgt werden.

Besonders häufig sind dabei Windeln, Inkontinenzmaterialien, Verbände oder Einwegmaterialien betroffen.

Windeln als typische Alarmquelle

Viele Radiopharmaka werden nach der Anwendung überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Dadurch kann sich ein wesentlicher Teil der Restaktivität im Urin des Patienten

befinden. Windeln und Inkontinenzmaterialien können deshalb noch messbare Radioaktivität enthalten. Gelangen sie in den normalen Krankenhausabfall, können sie später in Müllverbrennungsanlagen detektiert werden.

Obwohl die gemessenen Aktivitäten meist keine Gesundheitsgefährdung darstellen, sollte jeder Alarm untersucht und dokumentiert werden.

Zusätzliche Absicherung im Krankenhaus

Dazu können an zentralen Abfallsammelstellen, Müllräumen oder Abfallkomprimieranlagen zusätzliche Strahlenmesssysteme installiert werden. Hierzu gehören beispielsweise:

  • ALMO-Systeme mit hochempfindlichen NaI-Detektoren
  • NuClearance-Systeme mit großvolumigen Plastikszintillation-Detekoren
  • Mobile Überwachungseinheiten für einzelne Abwurfstellen wie der DolMo, SCINTO oder der einfache Abfallkontrollmonitor WCM

Auf diese Weise können radioaktive Materialien identifiziert werden, bevor sie die Einrichtung verlassen. Gerade Krankenhäuser mit einer nuklearmedizinischen Abteilung profitieren von einer solchen zusätzlichen Sicherheitsebene

Fazit

Die Entsorgung radioaktiver Abfälle in der Nuklearmedizin erfolgt heute über klar definierte und bewährte Prozesse. Systeme wie FR-6 und FR-10 unterstützen die sichere Dokumentation, Lagerung und Freigabe radioaktiver Abfälle nach ausreichender Abklingzeit.

Gleichzeitig können über Inkontinenzprodukte oder ungeplante Stationswechsel radioaktive Materialien in den normalen Krankenhausabfall gelangen. Zusätzliche Überwachungssysteme an Abfallsammelstellen oder Komprimieranlagen helfen dabei, solche Fälle frühzeitig zu erkennen und Strahlenalarme in Müllverbrennungsanlagen zu vermeiden. Dadurch wird die Sicherheit für Krankenhäuser, Entsorger und Behörden weiter erhöht.